Material
Eiderdaunen
Eine Bettdecke aus Eiderdaunen kostet so viel wie ein gebrauchtes Auto. Dahinter steckt kein Marketing, sondern eine Rechnung, die man nachvollziehen kann, sobald man weiß, wie diese Daune eingesammelt wird.
Woher sie kommt
Die Eiderente ist eine Meeresente, die an den Küsten Islands, Norwegens, Grönlands und Kanadas brütet. Das Weibchen rupft sich zum Brüten Daunen von der eigenen Brust und polstert damit das Nest aus. Genau diese Daune ist gemeint.
Gesammelt wird sie von Hand, aus dem Nest, im Wesentlichen nachdem die Jungen ausgeflogen sind. Kein Tier wird dafür gerupft und keines getötet. In Island gehört die Eiderentenpflege zu den alten Nutzungsformen: Die Höfe schützen die Kolonien vor Raubtieren, und die Vögel kommen im Frühjahr wieder.
Die Rechnung hinter dem Preis
- Ein Nest gibt etwa 15 bis 20 Gramm Rohdaune. Nach dem Reinigen bleibt weniger übrig, weil Gras, Sand und Tang mit im Nest liegen.
- Für ein Kilogramm gereinigter Eiderdaune braucht es damit die Ausbeute von grob sechzig bis siebzig Nestern.
- Die Weltproduktion wird auf wenige Tonnen im Jahr geschätzt, der weitaus größte Teil davon stammt aus Island.
- Jedes Nest muss einzeln aufgesucht werden, oft auf Inseln und an Küsten ohne Straße. Die Reinigung geschieht bis heute in Teilen von Hand.
Eine Bettdecke in 135 × 200 mit einer ganzjährigen Füllung braucht rund 600 bis 700 Gramm. Das sind vierzig Nester und mehr, für eine einzige Decke. Preise im vierstelligen Bereich sind damit keine Willkür, sondern das Ergebnis.
Was sie technisch besser macht
Der eigentliche Unterschied ist nicht die Wärme, sondern das Verhalten der Füllung. Die Ästchen der Eiderdaune haken sich untereinander ein. Die Füllung bleibt dadurch als zusammenhängende, leichte Masse an ihrem Platz, statt in der Kammer zu wandern.
Daraus folgt zweierlei: Eine Eiderdaunendecke braucht weniger Stege und Nähte als eine gewöhnliche Decke, und sie sackt an den Rändern nicht ab. Dazu kommt ein sehr hohes Volumen bei sehr geringem Gewicht, spürbar leichter als eine gute Gänsedaunendecke gleicher Wärme.
Was der Preis nicht kauft
Wärme allein rechtfertigt die Anschaffung nicht. Eine sauber gebaute Kassettendecke mit hochwertiger Gänsedaune hält dich genauso warm, für einen Bruchteil. Was du zusätzlich bekommst, ist geringeres Gewicht, ein anderes Liegegefühl und eine Decke, die bei guter Pflege Jahrzehnte hält und sich mehrfach aufarbeiten lässt.
Für die allermeisten Schlafzimmer ist das ein Liebhaberkauf und keine notwendige Ausgabe. Das darf man auch so nennen.
Woran du eine echte erkennst
- Herkunftsnachweis. Island lässt ausgeführte Eiderdaune amtlich prüfen und kennzeichnen. Ein seriöser Händler nennt Herkunft und Zertifikat von sich aus.
- Der Preis. Eine „Eiderdaunendecke“ für zweihundert Euro enthält keine Eiderdaune. Das Wort wird im Alltag auch als Sammelbegriff für jede dicke Daunendecke benutzt, und genau das nutzen manche Angebote aus.
- Die Bauweise. Echte Eiderdaunendecken werden oft mit wenigen, sehr großen Kammern gebaut, weil die Füllung von selbst hält. Eine kleinteilige Karosteppung passt nicht zu dem Material.
- Die Angabe zur Zusammensetzung. Sie muss hundert Prozent Eiderdaune ausweisen. „Mit Eiderdaune“ heißt in der Regel: fast keine.
Zuletzt geprüft am . Verantwortlich: Daniel Weihmann, Impressum.
